19.09.2017 - 24.09.2017, "Raum", Bornholmer Kulturtage, Slagteriet Östermarie Bornholm; Dänemark
16.09./23.09./28.09./30.09./06.10.2017, "neueheimat Ruhr", Gelsenkirchen, Dortmund, Bochum, Duisburg, Essen
  Sperrmüll als Verweis auf eine Veränderung im privaten Wohnraum, wird im Moment des "auf die Straße Stellens" dem Blick einer Öffentlichkeit ausgesetzt, die die gleichen Objekte in Gebrauch nie zu Gesicht bekommen hätte.
Diese zur Schau gestellte Intimität (durch Gebrauchsspuren, die die Geschichte einer jahrelangen Nutzung erzählen können und damit den privaten Raum, in dem sie stattfand, zum Teil rekonstruierbar machen), wird hier durch das Eintapezieren und damit Verhüllen der Objekte verdeckt; gleichzeitig allerdings die individuelle Privatheit durch das Klischee einer intimen Wohnzimmeratmosphäre ersetzt: Muster- und Blümchentapeten rufen genau diese Assoziationen hervor.
Das vollständige Eintapezieren läßt die Funktion der Gebrauchsgegenstände in den Hintergrund treten und die Form an Bedeutung gewinnen, der Sperrmüllhaufen wird durch die Uniformierung zur Skulptur, die sich gegenüber den Hauswänden, den Bordsteinkanten, zu positionieren scheint.
Die gewählte Form einer recht subjektiven fotofgrafischen Aufnahme, d.h. die Objekte gerichtet anzublitzen (und nicht auszuleuchten), stützt zum Einen die Stellvertreterposition des Fotografen gegenüber den Betrachtern der Bilder, zum Anderen wird der surreale Charakter der Situation gestärkt.
Die Verunsicherung gegenüber dem Objekt findet ihre fotografische Übersetzung in dem kurzen "Aufblitzen" des Moments, eine scheinbare Kurzfristigkeit, z.B. der Beobachtung eines vorbeifahrenden Autofahrers entsprechend, die den realen Charakter der vorgefundenen Situation weiter in Frage stellt. Auch die nächtliche Umgebung (die natürlich auch der realen sozialen Interaktion: Sperrmüll rausstellen, sichten, mitnehmen entspricht) stützt das Gefühl des "nicht einschätzen Könnens". Durch das Fotografieren und dauerhafte Festhalten findet ein endgültiger Verlust eines erklärenden Kontextes statt, es verbleiben nur noch Ausschnitte einer Umgebung, einer Hauswand, wer wo was warum getan hat, bleibt ebenso unklar wie ein möglicher Zeitrahmen.
Fest scheint nur das "Auftauchen" der Objekte im und um das Ruhrgebiet herum: jedes Foto entsteht in einer anderen Stadt, die dann auch als Titel des jeweiligen Bildes fungiert.
 
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